An(ge)dacht

Danken macht glücklich

Auf dem Vorplatz einer Kirche ereignete sich ein Unglück. Eine ältere Frau war plötzlich ins Straucheln gekommen und gestürzt. Zwei Ärzte waren sogleich zur Stelle und versorgten die Wunden. Schnell wurde klar: Der Oberarm ist gebrochen. Die Frau muss ins Krankenhaus.

Da bittet sie einen der Helfer: „Fassen Sie doch mal in meine Hosentasche, da ist die Kollekte drin. Können Sie die bitte noch zur Kirche bringen?“ Wochen später bekommen die beiden Ärzte je einen dicken Blumenstrauß und eine Karte: „Vielen Dank für Ihre Hilfe, ich war von Engeln umgeben.“

In der Wissenschaft gibt es eine neue Disziplin: Die Glücksforschung.
Professor Martin Seligman ist Amerikas berühmtester Glücksforscher.
In seinen Studien fand er heraus: Dankbarkeit ist ein Schlüssel zum Glück. Darum empfiehl er, jeden Abend mindestens drei positive Dinge aufzuschreiben, die man erlebt hat.
Wieder können wir in diesem Jahr Erntedankfest feiern. In einem Zeitungsartikel fand ich folgenden Kommentar: „Zuweilen gewinnt der Beobachter den Eindruck, dass hier etwas begangen wird, das eigentlich längst zum alten Eisen gehört, besser gesagt zum altbackenen Brot, das in einer Zeit des materiellen Überflusses niemand mehr will. In einer Zeit, da der Ertrag der Ernte wegen Bevorratung und Import nicht mehr darüber entscheidet, ob ein fettes oder ein mageres Jahr folgt, haben zahllose Menschen zum Erntedank weniger ein gestörtes, als vielmehr überhaupt kein Verhältnis.“

Dabei waren unsere Tische wieder so üppig und abwechslungsreich gedeckt wie noch nie. Im Vergleich zum weitaus größten Teil der Weltbevölkerung geht es uns sehr, sehr gut.

Der Beter des 103. Psalms schrieb sich selbst und anderen ins Stammbuch: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“
Merkwürdig: Warum vergessen wir das Gute so schnell? Setzen Sie sich mal nachmittags in ein Café.
Die Unterhaltungen an den Nachbartischen klingen wie aus einem Horrorkabinett.
Meist geht es um Krebs, Krankenhäuser, Rheuma, Rücken.
Warum drehen sich unsere Gedanken so genüsslich um das Schlechte?
Dabei liegt die therapeutische Wirkung der Dankbarkeit auf der Hand. In einem alten Spruch heißt es: „Danken schützt vor Wanken. Loben zieht nach oben.“

Sprachlich kommt danken von denken. Wer nicht dankt, ist denkfaul. Undank ist nicht nur schlechtes Benehmen, Ungezogenheit, Nichtbesser-wissen, sondern Sünde und damit Zielverfehlung. Erst der, der mit Herzen, Mund und Händen dankt, dankt richtig.

Und die gestürzte alte Dame?
Bei einem Besuch einige Zeit später sagte sie dankbar ihrer Pastorin:
„Es ist mir immer so gut gegangen, denken Sie nur an meinen Unfall: Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.“ „Und der Arm? Schmerzt er noch?“ „Ach“, antwortete die Dame, „wissen Sie, da achte ich nicht drauf, sonst nimmt der sich zu wichtig.“

Ein Herz voller Dankbarkeit wünscht Ihnen

Hartmut Stropahl
(stellvertretender Vorsitzender der Gemeinschaft Rendsburg)

Foto im Slider: Pixabay