An(ge)dacht

Umzug in ein neues Jahr

Wir ziehen um! Keine Angst! Wir verlassen Schleswig-Holstein nicht, auch wenn ich ganz persönlich ab Januar in Berlin eine neue Arbeit beginne. Trotzdem gilt: Jeder von Ihnen zieht mit um.

Aus dem alten, bekannten Haus in ein neues, noch völlig fremdes. Im Moment kennen wir von ihm nur die Jahreszahl: 2020. Die Räume dieses Hauses sind uns unbekannt. Aussuchen können wir sie uns auch nicht. Einrichten müssen wir uns trotzdem.

Da stehen wir nun mit unserem Umzugswagen vor der Tür des neuen Jahres. Vieles, was wir zum Leben brauchen, werden wir einräumen. Vermutlich auch unnütze Dinge, die aber zu uns gehören: Erinnerungen, Begegnungen, Verletzungen …
Manches laden wir einfach nur ab und bringen es ins Haus: ungeordnet, abgebrochen, belastend. Doch gerade jetzt wäre eine gute Möglichkeit zum Sortieren, aber auch zum Wegwerfen. Warum gleich wieder unnötig einengen im neuen Haus?

Vieles lade ich einfach nur um; vor allem mich selbst, meine Pläne und Träume, auch meine Ängste. Dabei ist mein Umzugstransporter mit relativ leichtem Gepäck versehen. Andere stehen mit Umzugskisten vor dem Eingang zum neuen Jahr, die fast zu schwer zum Tragen sind und doch nicht zurückgelassen werden können: bis oben voll mit Sorgen, Krankheiten, Ängsten, Zweifeln u.ä.
Manche Kartons sind vielleicht so schwer, dass selbst mein Glaube an den starken Gott sie nicht mehr trägt. Ich drohe zusammenzubrechen im neuen Haus.

Ja, ich weiß, dass Gott mir beim Tragen helfen möchte. Ich weiß, dass er auch im neuen Haus bei mir wohnen will. Trotzdem habe ich Angst vor der Zeit im Neuen Jahr. Wird Jesus wirklich bei mir sein? Wie gut, dass ich wie der Vater, der seinen kranken Sohn zu Jesus bringt, bitten darf:
„Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Markus 9, 24)
Es gibt Zeiten, in denen ich mich überfordert fühle und in denen mich Jesus herausfordert, über mich selbst und meine Möglichkeiten hinauszuwachsen.

Manchmal ist es kaum zu glauben, was er mir zu- und anvertraut! Kaum zu glauben, wie seine Möglichkeiten meine Grenzen sprengen! Daran können ihn weder Kleinglaube noch Unglaube hindern. Auch nicht im neuen Haus 2020, wenn ich das Gefühl haben werde, dass sich Schwierigkeiten in der Größe von Sperrgut auftürmen werden.

Doch wir dürfen auf alle unsere Umzugskisten den Werbeslogan einer Firma schreiben: „Umzug ist Vertrauenssache.“ Wir wissen nicht, ob uns die unbekannten Räume des neuen Jahres freundlich oder feindlich empfangen, ob wir uns in ihnen zu Hause fühlen werden oder fremd bleiben.
„Umzug ist Vertrauenssache.“

Jesus verspricht zum Einzug, uns tagtäglich unter die Arme zu greifen. Oft werden wir gar nicht wahrnehmen, dass er ein Möbelstück für uns zur Seite geräumt hat. Manchmal werden wir staunen, dass er wieder ein Zimmer so wunderbar eingerichtet hat.
Ich wünsche Ihnen Gelassenheit beim Umzug und Mut, die Räume des neuen Jahres zu entdecken und zu gestalten. Denn: „Umzug ist Vertrauenssache.“

Ihr Friedhelm Martens

 

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