„Ausharren in stürmischen Zeiten“

Liebe Leser,

wir alle haben außergewöhnliche Wochen erlebt. Während ich diese Zeilen an Euch schreibe, sitze ich an einem Ort, an dem ich nicht sein sollte.
Ich fühle mich bald wie Paulus, der aus der Gefangenschaft Sehnsucht nach seinen Brüdern (und Schwestern!) hat und Briefe an seine Glaubensgeschwister schreibt und so mit ihnen in Verbindung ist.

Ich sitze zwar nicht wie er im Gefängnis, aber durch die geschlossenen Grenzen von Namibia, dem ausgesetzten Flugverkehr und die Ausgangssperre mit Reisebeschränkungen innerhalb Namibias fühle ich mich dennoch auf besondere Art „gefangen“.
Heute ist schon Tag +2 in Namibia, eigentlich sollten wir schon in Deutschland sein!
Trotz der Ruhe um mich herum, weil während des Lockdowns das Leben draußen ruhiger ist, stürmt es dennoch immer mal wieder in meinem Kopf.
Wie soll alles werden mit Umzug, Flügen, Quarantäne in Deutschland u.v.m.?
Seit Beginn des Lockdowns stolpere ich öfters über Psalm 62:
„Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“

Für mich bedeutet das:
Stille zu Gott, weil er mir Frieden schenkt. Hilfe von Gott, weil er alles lenkt, führt und in seinen Händen hält – er hat es im Griff.
Beides ist für mich aber nicht so einfach wie es klingt, weil ich gern die Dinge selbst im Griff habe und mir einen eigenen Überblick wünsche. Umso mehr mache ich die Erfahrung, dass Gott es aber besser im Griff und den weiteren Überblick hat.
Er wird es gut machen, dass es mir zum Besten dient. Darauf will ich vertrauen und das gelingt mir auch immer öfter.

Es ist dieses Stoßgebet aus Psalm 118,25:
„O Herr, hilf! O Herr, lass wohlgelingen!“, das mir dabei hilft, ihm zu vertrauen. Welche Erfahrungen mache ich, wenn mein Vertrauen zu Gott klein ist? Ich verlasse mich auf meine eigenen Fähigkeiten. Allerdings fängt dann schon bald mein eigen gebautes Kartenhaus an zu wackeln. Es muss hier und da gestützt werden, droht im sandigen Boden zu versinken und stürzt letztendlich dann doch ein.
Für jemanden wie mich, der nur zwei Hände hat, wird es eben schwierig, an mehreren Stellen gleichzeitig zu halten, damit mein Planen und Handeln nicht wie ein Kartenhaus zusammenfällt.

Wieder stelle ich fest: Ich habe es nicht im Griff. Der sandige Boden ist, wie wenn ich mich auf andere Menschen und deren Zusagen verlasse, ebenso mein Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten und meine Erfahrungen setze.
Besser wäre es, dem Beispiel Davids in Psalm 62 weiter zu folgen und auf Gott zu vertrauen und auf ihn zu bauen, der in diesem Psalm mit einem Felsen verglichen wird:
„Denn er ist mein Fels, meine Hilfe, mein Schutz, dass ich gewiss nicht fallen werde.“ (Psalm 62,2).
Darin möchte ich uns ermutigen, die Stille (= Ruhe, Gelassenheit – es also bei Gott lassen, Geborgenheit) bei Gott zu suchen, weil Er uns hilft!

Wenn Ihr diese Zeilen lest, bin ich vielleicht schon bei Euch und wir können uns gegenseitig davon erzählen, welche Erfahrungen wir mit dem Umsetzen dieses Wortes gemacht haben.
Es wäre doch toll, gemeinsam über Gottes großartige Hilfe zu staunen und gestärkt davon Zeugnis zu geben, weil wir nicht im Sand versunken sind, sondern fest auf dem Felsen Gottes stehen.
Das wünsche ich uns.

Seid behütet und gesegnet, in Jesus verbunden, Euer Prediger

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Matthias Flaßkamp

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