Wer will uns scheiden von der
Liebe Christi?

Römer 8,35


Liebe Leserinnen und Leser!

„Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?“ fragt Paulus, und als Antwort kommt mir spontan in den Sinn: „Satan“, der Versucher und Verführer, der Gegenspieler Gottes, der Fürst dieser Welt, der große Durcheinanderbringer.

Aber davon schreibt Paulus nicht, sondern in dem Brief an die Gemeinde in Rom entfaltet er u.a. grundlegend das Evangelium und tritt Zweifeln und kritischen Fragen mit seiner Glaubensgewissheit überzeugend entgegen.

Zu seiner Frage beschreibt Paulus Lebenssituationen, die Christen um ihres Glaubens willen drohen können: Trübsal, Angst, Hunger, Verfolgung, Blöße, Gefahr und Schwert. Dabei handelt es sich keinesfalls um von Paulus erdachte Situationen.
Er beschreibt reale Anfechtungen, denen er als Reisender in Sachen Evangelium selbst bereits ausgesetzt war und die er durchleiden musste. Bedrohungen, die ich -Gott sei Dank- bisher nur aus Missionsberichten kenne oder hier in Deutschland von Christen zu DDR-Zeiten gehört habe.

Wenn ich aber darüber nachdenke, um meines Glaubens willen in derartige Bedrängnisse zu geraten, sackt mir erstmal das Herz in die Hose. Wie würde es wohl dann mit meiner Glaubenszuversicht aussehen?

Also, im Johannesevangelium steht, Gott äußert seine Liebe zu den Menschen so, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Die das glauben, nennt Paulus Auserwählte Gottes und er ist sich sicher:
Gott hat sich selbst in seinem Sohn für uns alle hingegeben und uns in Jesus alles geschenkt, was uns mit Gott versöhnt.

Paulus schrieb seinen Brief damals ja nicht nur an eingefleischte Christen, die das Evangelium mit der Muttermilch aufgesogen hatten und fest im Glauben standen. Er will allen Menschen das Evangelium nahebringen und durch seine Glaubensgewissheit Menschen ermutigen, nach dem Angebot Gottes zu fragen und sich für einen Lebensweg mit Jesus zu entscheiden.

Ja, er weiß auch: Der Teufel ist mächtig und setzt alles daran, Menschen davon abzuhalten. Und er weiß auch, dass ohne Gottes Willen niemand zum Glauben kommen kann. Wenn jedoch ein Mensch auf Gottes Angebot hin sein Leben Jesus anvertraut, wird er versuchen, ihn wieder vom rechten Weg abzubringen.
Paulus macht deutlich: Satan wird es nicht schaffen, uns von Gottes Liebe zu trennen.
So höre ich aus seiner Frage eher einen triumphalen Unterton heraus und zugleich einen mutmachenden, ja tröstenden.

Erfahrungsgemäß herrscht in unserem Leben auch als Christen nicht automatisch immer heller Sonnenschein.
Und wir tun gut daran, diese mutmachenden Worte zu lesen und uns ggf. auch in der Gemeinde darüber auszutauschen, gerade dann, denke ich, wenn das Leben uns Lasten auferlegt.
Aber nicht nur dann. Mir tut es gut und stärkt mich im Glauben, dass ich eine Gemeinde habe, in der das Wort Gottes gepredigt und gelehrt wird, wo Gotteslob und gemeinsames Abendmahl meine Seele stärken und wir uns auf unserem Glaubensweg gegenseitig zur Seite stehen.

Paulus hat es erkannt: Gott ist für uns!
Wer sollte also gegen Gottes Willen uns von seiner Liebe trennen? Keiner kann uns mehr verklagen, weil Jesus die Sünde der Welt getragen hat und durch seinen Tod am Kreuz für uns bezahlt hat.
Er sitzt sogar zur Rechten Gottes und hält uns bei Gott einen Platz frei.

Auf dieses Ziel hin dürfen wir uns ausstrecken, wie Paulus es nennt. Jesus hat zugesagt, dass er uns im Glauben trägt und alle Tage bei uns ist, sogar bis ans Ende der Welt. Und allzumal bis an mein Ende. Ich danke unserem Vater im Himmel für seine große Güte und Barmherzigkeit.

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Es grüßt herzlich,
Claus Reinhardt

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