„Alle Augen warten auf dich, Herr,
und du gibst ihnen ihre Speise
zur rechten Zeit.“
Psalm 145,15


Liebe Leserinnen und Leser!

Stimmt das denn? Warten „alle“ Menschen sehnsüchtig auf Gott? Gibt es heute nicht immer mehr, die nichts mit dem Gott der Bibel am Hut haben?

Was zuerst für Menschen in den neuen Bundesländern galt, gilt schon längst auch für die in den alten: „Die Menschen haben vergessen, dass sie Gott vergessen haben.“ (Altbischof Axel Noack)
Wo wird das in diesen Tagen deutlicher als beim Erntedankfest. Es scheint aus der Zeit gefallen zu sein.

Schauen wir in die Supermärkte: Dass in vielen gleich am Eingang das leckerste Obst und Gemüse ausliegt, ist kein Zufall. Uns Kunden soll beim Anblick der leckeren Südfrüchte das Wasser im Mund zusammenlaufen und zum Kaufen animieren. Aus der ganzen Welt werden im reichlichen Maße Äpfel, Bananen, Kiwis, Mangos und vieles andere importiert.

Eine schlechte Ernte führt bei uns nicht zu Mangel, Hunger und Tod. Wir sind so reich, dass wir uns irgendwo auf der Welt das Gewünschte und Gewohnte kaufen können.
Auch dass die Preise für Lebensmittel seit dem Ukraine-Krieg kräftig gestiegen sind, können die meisten von uns verkraften.

Und warum? Weil Gott uns allen(!) unsere Speise zur rechten Zeit gibt?
Sagen Sie das mal einem unserer Zeitgenossen. Der schaut sie irritiert und mitleidig an:
„Was für ein unaufgeklärter, einfältiger Typ! Hat noch nicht begriffen, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben.“ In der DDR-Zeit hingen Banner am Wegesrand mit dem Spruch: „Ohne Gott und Sonnenschein fahren wir die Ernte ein.“

Sind Christen deshalb bedauernswerte Relikte aus längst vergangenen Zeiten, weil sie fröhlich Erntedankfest feiern?
Nein, bei aller Bescheidenheit: Christen haben den vollen Durchblick!
Deshalb beten sie in großer Gewissheit: „Alle Augen warten auf dich, Herr, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.“ (Psalm 145,15) Gnade uns Gott, wenn er uns zeigt, wie sehr wir auf ihn angewiesen sind! Gott ist aber so gütig zu uns, dass er seine Sonne scheinen lässt über Böse und Gute (Matthäus 5,45).
Es ist ein unverdientes Geschenk, dass er nicht aufhört, uns mit Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter sowie mit Tag und Nacht zu segnen (1. Mose 8,22).

Lasst uns deshalb nicht nur am Erntedankfest singen: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“

Lasst uns bei jeder Mahlzeit so oder anders beten: „Alle gute Gabe, alles was wir haben, kommt, o Gott, von dir. Wir danken dir dafür.“ Und lasst uns fröhlich unseren Zeitgenossen, die sich selbst den Wohlstand zuschreiben, bezeugen:
Gott ist es, der uns alles zum Leben gibt. Aus Dank ihm gegenüber sorgen wir für Hungernde und beten, dass sie Gott danken.

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Hartmut Stropahl